Go to Top

Gedanken zum Thema Glück

Gedanken zum Thema Glück

Nicht Erfolg ist der Schlüssel zum Glück,  sondern Glück ist der Schlüssel zum Erfolg.       Albert Schweitzer

CBF Coach NewsGlück wird von der Mehrheit der Menschen als die Abwesenheit von Unglück oder misslichen Umständen verstanden. Es wird gedacht als eine Ansammlung günstiger Lebensbedingungen. Das ist insoweit richtig, als dass es bei Tieren und entwicklungs-geschichtlich auch beim Menschen überlebenssichernde Umstände brauchte, um diesen Zustand der „Zufriedenheit“, des inneren Friedens und der System-Balance  zu empfinden. Glück war archaisch sozusagen ein Signal dafür, verweilen zu dürfen und nicht flüchten zu müssen.

Der Mensch hat jedoch inzwischen zusätzlich die Fähigkeit entwickelt, zu denken, zu antizipieren und zu planen. Das entfernt ihn häufig vom ganz direkten Fühlen, wodurch er für eine von außen an ihn herangetragene „Vorstellung“ davon, was ihn glücklich machen könnte, verführbar ist.

Mit immer neuen Versprechungen, den Glückszustand endlich herbeiführen zu können, werden Menschen Produkte angeboten, deren Erwerb dann jedoch die „glücksnotwendige Verinnerlichung“ gerade verhindert und diese immer weiter in eine gedachte „glückliche“ Zukunft verschiebt. Doch dazu später mehr.

Bei genauerer Betrachtung ist der Begriff des Glücks also zur Mohrrübe vor der Nase verkommen, die bekanntlich gerade keine innere Zufriedenheit aufkommen lässt.

Solange ein großer Geldgewinn beim Lotto oder am Aktienmarkt, die Erstplatzierung bei einer Casting-Show oder sogar ein 14-Stunden-Job mit 100 Mails plus Anhang und Dauererreichbarkeits-Anforderung die Bezeichnung „Glück“ erhalten, solange Hektik mit Wichtigkeit und Wichtigkeit mit der Voraussetzung für „Glück“ gleichgesetzt ist, solange bewegt sich unsere Gesellschaft auf einen Abgrund innerer Leere zu, der zu Vereinzelung und Verrohung im Sinne von Empathie-Mangel, ja Gleichgültigkeit führt. Die Folge ist letztlich eine Zerstörung der  Gemeinschaft, die uns schließlich „Unglück“ bringt!

Menschen können sich Glück „denken“                                           

Sich Glück auszudenken ist Segen und Fluch zugleich, denn im Gegensatz zum Tier ist der Mensch durch imaginierte Realitäten motivierbar, durchzuhalten, wenn es schwer wird –  aber auch verführbar, einen für ihn selbst völlig nutzlosen Weg einzuschlagen. Mitunter strebt er einfach einem „gedachten“ oder vorgespiegelten „Glück“ zu, ohne innere Signale zu beachten. Wenn er dann tatsächlich am gedachten Punkt ankommt und merkt, dass er doch noch immer nicht glücklich ist, fragt er sich leider nur selten, ob es vielleicht ein Grundsatzproblem gibt, sondern erhöht vielmehr lediglich seine Anstrengung …

 Verborgenes Wissen nutzen                                                     

Der Mensch wurde für seine Neugier und Erkenntnislust (oder moderner ausgedrückt: für die Entwicklung des Großhirns) aus dem Paradies, dem Reich der einfach im Jetzt befindlichen oder „seienden“ Wesen vertrieben – er darf es nicht mehr betreten.

Doch es gibt einen Weg, um immer wieder für eine Weile den Zutritt zu diesem Reich zu erhalten: Das denkende Wesen Mensch, kann nämlich den Unterschied zwischen Glück (materiell und äußerlich) und Glückseligkeit (physisch, sinnlich und geistig) erkennen und diese Erkenntnis nutzen, um sich wieder in den Zustand ursprünglichen Glücks zu versetzen.

In anderen Worten ausgedrückt bedeutet dies, das Großhirn zunächst bewusst zum Innehalten und zur Reflektion zu nutzen, um es dann gleich wieder mit dem Mittel der Scientia tacita, diesem verborgenen impliziten Wissen des Menschen, das aus Intuition, Phantasie und Emotion besteht, zu überwinden.

Sicher, das ist nicht ganz einfach, aber nur so entsteht wirklicher Erfolg, denn der ist immer ganzheitlich und auch sehr persönlich zu sehen.

Glück als Wegweiser zum Erfolg

Ist derjenige, der beruflich erfolgreich ist, dafür aber seine Gesundheit oder seine Partnerschaft riskiert oder auch nur zu wenig Freude empfindet, nicht in Wahrheit nicht erfolgreich?

Nun kann man natürlich dagegen fragen: „Gibt es nicht auch diejenigen, die Erfolg mit finanziellem Wohlstand gleichsetzen?“ Das stimmt natürlich, nur wenn sie dafür zum Beispiel die Basis ihres Wohlbefindens, ihre Gesundheit gefährden, sind sie nicht im umfassenden Sinn glücklich, sondern bestenfalls glücklich über das gerade Erreichte. Das ist aber bekanntlich ein sehr flüchtiger Zustand, ähnlich wie der nach einem bestandenen Examen.

Jedoch auch derjenige, der einfach alles hinwirft und zum Aussteiger wird, ist in den wenigsten Fällen glücklicher, denn wer versucht, ein ganz und gar anderer zu sein als bisher, verhält sich seinem Leben gegenüber nur selten authentisch.

Eine Krise – richtig genutzt – kann jedoch geradezu die Rettung sein!

Zu wissen, wer wir sind, was wir können und was wir wollen, weil es uns wirklich glücklich macht, ist in Umbruchs- und Krisenzeiten wichtiger denn je, weil uns das inmitten aller Unwägbarkeiten eine bleibende Sicherheit gibt. Wir müssen dabei selbst die Verantwortung für uns übernehmen, indem wir aus der Sehn-„Sucht“ aussteigen und unserem Sehnen folgen.

In den „üblichen“ Stress-Situationen wird dieses unbestimmte Unzufriedenheitsgefühl meistens nicht ernst genommen, ja, geradezu verdrängt, obwohl es doch das Warn-Signal für einen „lebens-notwendigen“ Richtungswechsel sein kann!

Doch in einer Krise hören wir plötzlich hin.

Das liegt vermutlich daran, dass viele Menschen einen „Richtungs-wechsel“, solange es nicht unumgänglich ist, scheuen.

Sie fürchten, „alles aufgeben“ zu müssen, damit zum Aussteiger zu werden und die Anerkennung, die Ihnen ihr bisheriger Status verleiht, zu verlieren oder sich durch einen „Zurück-zum-Start-Neuanfang“ zu überfordern und in den Augen ihres Umfeldes lächerlich zu machen.

Wer sich derartige Konsequenzen vorstellt, bleibt natürlich lieber bei seinem „gewohnten“ Stress, denn die Veränderung wäre womöglich noch viel belastender: Derjenige wird seinem Sehnen wahrscheinlich nicht folgen.

Bei genauerer Betrachtung stellt sich aber oft heraus, dass der eigentliche Stress genau daher kommt: Von der tief im Inneren bohrenden Frage „Tue ich das Richtige?“.

Orientierung und Balance entsteht nur dann, wenn wir einen Kompass haben, der auf Glück geeicht ist und uns die Richtung für alle Bereiche des Lebens vorgibt und sie vereint.

Keine Frage, das Schicksal kann immer eingreifen, aber den inneren Kompass justieren wir dennoch selbst.

Er bewirkt auch, dass Menschen, die ihn haben, sogar bei einem Schicksalsschlag nicht dauerhaft unglücklich bleiben – und dass sie umgekehrt mit einem Supergewinn im Lotto wirklich glücklich werden (oder bleiben), was beides ohne diese Festigung in vielen Fällen nicht gelingt.

Den Lärm abstellen                                                                

Wenn Sie Menschen, die künstlerisch tätig sind, fragen, wie es ihnen gelungen ist, ihr größtes Kunstwerk zu schaffen, so werden Sie nicht selten zur Antwort bekommen, dass es ein quälender Prozess war!

Denn nur, wenn sie eine Phase der Stille, ja, geradezu des „Nichts“ durchgemacht hatten, zeigte sich plötzlich jenes völlig Neue, das sie vorher erahnten, aber nicht richtig fassen konnten.

In einer Welt, in der uns Außenreize ununterbrochen auffordern, zu reagieren, ist es nicht einfach, zu jener inneren Quelle vorzudringen, die jeder von uns in sich hat und aus der auch jeder selbst schöpfen muss, um Erfüllung zu finden.

Eines können wir also von großen Künstlern und Denkern lernen: Um die Belohnung eigenen Erfolges und Glücks zu bekommen, müssen wir eine vorausgehende Stille aushalten, die uns hilft, den Kompass zu schärfen und zu uns selbst führt.

Dazu braucht es Mut und Kraft.

© Dr. Cristina Barth Frazzetta

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Visit us on LinkedinProfil bei XingE-Mail sendenEnglish