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WiWoManagerMobilität

Der kürzlich in der WiWo erschienene Artikel der eine Scheu junger Manager im Hinblick auf längere berufliche Auslands-Aufenthalte thematisiert, bestätigt in vollem Umfang die Ergebnisse früherer Studien und auch meine eigene Erfahrung als Executive Coach.

CBF Coach NewsEs ist zwar in der Tat im positiven Sinne persönlichkeitsbildend wenn sich ein junger Mensch eine längere Zeit in einer anderen Kultur aufhält und dort in soziale Strukturen eingebunden ist, sprich, das Land nicht nur besucht, sondern dort auch arbeitet und Verantwortung übernimmt.

In meiner Arbeit mit interkulturellen Teams erlebe ich immer wieder, wie stark die Mitglieder, insbesondere die Führungskräfte gefordert sind, ihr eigenes Weltbild in Frage zu stellen und mitunter tief verankerte Überzeugungen zu ändern, wenn Inklusion und Nutzung der Diversität tatsächlich gelingen soll.

Wenn sie sich auf diese Herausforderung einlassen, kommen sie sozusagen als Kosmopoliten, also mit einer positiven, offenen Haltung gegenüber anderen Kulturen in ihre Nation zurück.

Diese Menschen erwerben eine für uns alle wichtige Voraussetzung,  um in der Zukunft auch außerhalb ihres Unternehmens zur Verwirklichung des globalen Gedankens beizutragen.

Jedoch gelingt dies durchaus nicht immer, denn leider beobachte ich auch Fälle, bei denen sich eine bestimmte Art westlicher Überheblichkeit noch verstärkt und sich Vorurteile eher weiter verfestigen. Diese Gefahr besteht insbesondere dann, wenn die Aufgabe mit großem Druck verbunden ist und es keine begleitende Unterstützung wie das im Artikel erwähnte interkulturelle Training gibt.

Die jungen Manager verlassen sich in diesem Fall auf die in ihrer Kultur erfolgreichen Methoden und sind frustriert, wenn diese von ihrem kulturell diversen Team nicht angenommen und angewandt werden, was dann schnell zu einer Abwertung von deren Herangehensweisen führt und ethnisch begründet wird.

Dies sei allerdings nur am Rande bemerkt, denn der Artikel spricht ja vor allem vom Mangel an „Mobilitäts-Lust“ der jungen Managergeneration und darum soll es in meinem Kommentar auch gehen.

In ähnlichen Erhebungen hat sich nicht nur gezeigt, dass eine Großzahl der Manager nicht ins Ausland ziehen möchte, sondern dass viele sogar am liebsten in der Nähe ihrer Heimatstadt bleiben!

Das erscheint doch geradezu altmodisch in einer Welt, die zu jedem Zeitpunkt international, ja global vernetzt ist, nicht wahr?

Aber lassen Sie uns diese Einstellung einmal aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachten, nämlich dem der physischen und seelischen Gesundheit.

Da ich nicht nur Coach, sondern auch Ärztin bin, hat mich die ganzheitliche Betrachtung, also Arbeit, Beruf, Karriere im Lebenszusammenhang immer schon interessiert.

Wir alle wissen, dass Menschen beruflich dann Bestleistungen erbringen, wenn ihre Aufgabe ihren Fähigkeiten entspricht, wenn sie ihre Talente entwickeln und wachsen können, wenn sie weder unter-, noch zu sehr überfordert sind und wenn das Umfeld ihren persönlichen Wertvorstellungen entspricht.

Als Ärztin weiß ich darüber hinaus, dass ein stabiles soziales Netz aus Familie und Freunden mit gelebten Vertrauensbeziehungen einer der wichtigsten Schutzfaktoren für psychosomatische Gesundheit ist.

Wie kann dazu eine generelle Forderung nach Mobilitätsbereitschaft und Begeisterung für zeitweilige Emigration passen?

Emigration geschieht weltweit weitaus häufiger unfreiwillig, weil es einen Druck gibt, der die Menschen dazu zwingt und viel seltener freiwillig, weil es die Menschen in die Fremde zieht.

Insofern ist es womöglich ein Zeichen von Wahlfreiheit und einer gewissen gesunden Sorglosigkeit, wenn sich die Vertreter einer Generation Gedanken darüber machen können, wie sinnvoll es für das eigene Leben ist, sich für mehrere Jahre von ihren gewachsenen sozialen Zusammenhängen zu trennen und die Prioritäten nach ihren persönlichen Werten setzen. Diese jungen Menschen fragen sich: Was ist für mich ein erfolgreiches Leben – nicht was ist die schillerndste Vorzeige-Karriere.

Zwar ergeben andere Erhebungen sogar, dass sich jeder dritte Deutsche vorstellen kann für die Karriere ins Ausland zu gehen, aber da spekuliere ich einfach, dass in vielen Fällen eben diese Vorstellung, dass Karriere genau auf diese Art gemacht werden muss, den besagten Druck erzeugt. (z.B. Marktforschungsunternehmen Innofact unter 1028 Umfrageteilnehmern 11.2016)

Sicher, die Internationalisierung unserer Gesellschaften ist ein notwendiger Schritt in Richtung Empathiefähigkeit gegenüber weit entfernt lebenden, kulturell anders geprägten Menschen und diese Empathiefähigkeit ist wiederum eine notwendige Voraussetzung für globale Mit-Verantwortung, jedoch ist zeitweiliges Auswandern nur ein möglicher Weg, um dieses Ziel zu erreichen…

Ganz persönlich kenne ich übrigens eine Familie mit drei Kindern, in der sich jedes für einen anderen Weg entschieden hat.

Nummer eins war in verschiedenen Ländern zum Studium und hat sich dann in Deutschland eine Lieblingsstadt (Größe, Lage, Entwicklungspotenzial) gesucht und dort ein erfolgreiches, strikt regional agierendes Unternehmen aufgebaut.

Nummer zwei ist ins Management eines international agierenden Unternehmens gegangen, hat sich dort so schnell wie möglich ins Ausland versetzen lassen, nach Aufenthalten in verschiedenen Ländern in einem der asiatischen Drehkreuze angesiedelt und hat dort eine leitende Funktion für Far East inne.

Nummer drei wollte zu Schulzeiten lieber am Heimatort bei Freunden und Familie bleiben, holte die Auslands-Erfahrung später mit Reisen nach dem Schulabschluss ein wenig nach, wählte dann einen Beruf mit projektbezogenen Auslandsreisen und hat heute in diesem Metier Führungsverantwortung für ein Team.

Sie ahnen es sicher – ich bin nicht nur Ärztin und Executive-Coach, sondern auch Mutter:

Es ist meine Familie und alle drei sind auf ganz unterschiedlichen Wegen im Sinne des Wortes „weltoffen“ geworden!

Es wird immer genug Menschen geben, die aus purer Lust am Unbekannten oder auch als bewusst gewählten Bildungsabschnitt in ihrer Laufbahn einige Jahre im Ausland verbringen wollen – wichtig ist dabei, dass wir nicht einfach im Mainstream schwimmen, sondern Verantwortung für uns selbst übernehmen und bewusst wählen, denn nur so entsteht persönlicher Lebens-Erfolg.

© Dr. Cristina Barth Frazzetta

http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/junge-fuehrungskraefte-manager-bleiben-lieber-zu-hause-als-ins-ausland-zu-gehen/20140838-all.html

 

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