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Die hohe Kunst des Multitasking

Der Artikel zum Thema Multitasking in der WiWo erscheint mir in einer Hinsicht problematisch:

Er vermischt die landläufige Vorstellung von dem, was Multitasking ist, mit einem Ergebnis neuerer Forschungen zur Gehirnfunktion und vergleicht daher Äpfel mit Birnen.

Wenn jemand in einem Auto sitzt und fährt, womöglich dichten Verkehr und Wegfindung gleichzeitig beachten muss, darüberhinaus dann auch noch eine SMS liest, so sagt uns vermutlich schon der normale Menschenverstand, dass wir dafür nicht gemacht sind. Genau darauf beziehen sich aber bestimmte Studien, die zunächst zitiert und nun durch neuere Studien angeblich entkräftet werden…

CBF Coach NewsDie neueren Studien behandeln ein ganz anderes Phänomen, nämlich das, dass unser Gehirn, sofern uns eine Aufgabe wichtig ist und wir sie bewusst für einen Moment ruhen lassen,  dennoch an dieser Aufgabe weiterarbeitet. Es setzt voraus, dass wir die „Wach-Aufmerksamkeit“ bewusst auf etwas anderes richten. Es findet dann parallel eine  Weiterarbeit statt, allerdings eine ganz andere Art, weil unsere  intuitiven, assoziativ-synthetischen Fähigkeiten zum Einsatz kommen. Diese sind während der fokussiert-konzentrierten Arbeit an einer Aufgabe häufig unterdrückt, weil dann unsere rationale Seite und unser konkretes Wissen im Vordergrund stehen.

Es leuchtet daher ein, dass wir bei solch einem gezielten Fokuswechsel tatsächlich zu ganzheitlicheren Ergebnissen bei parallel laufenden Aufgaben kommen, als bei der linearen Abarbeitung.

Es handelt sich dabei jedoch gerade nicht um eine Gleichzeitigkeit des Fokus – und da vermischt der Artikel die Multitasking-Begriffe -, sondern um ein zeitweiliges bewusstes Defokussieren des einen Themas, zugunsten der Fokussierung eines anderen. Ich nenne es „in den Inkubator legen“. Das kann mit dem Wissen, dass dann quasi von selbst etwas entsteht, erstens erlernt werden und zweitens richtig Spaß machen.

Mit dem Autofahrer, der nebenher SMS liest oder dem Vorgesetzten, der während eines Mitarbeitertelefonats seine Mails liest, hat das allerdings nichts zu tun.

Eine Anmerkung sei mir darüber hinaus noch erlaubt: Auch in diesem Artikel werden meiner Ansicht nach gesellschaftlich brisante Entwicklungen, wie die Verdichtung von Arbeit („1986 hatten Mitarbeiter im Schnitt zwei Aufgaben, heute sechs…“) an das Individuum zurückgegeben. Tenor: Arbeite an Dir, dann schaffst Du das auch! Das heißt dann im Umkehrschluss: Wer es nicht schafft, hat eben nicht an sich gearbeitet!

© Dr. Cristina Barth Frazzetta

http://www.wiwo.de/erfolg/management/zeitmanagement-die-hohe-kunst-des-multitasking/13997044.html

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