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Der Arzt als Coach

Die Frage, ob Manager jetzt ihren „ persönlichen Dr. Müller- Wohlfahrt“ brauchen, lässt Christian Siedenbiedel, Wirtschaftsredakteur der FAZ, in seinem Artikel zum Schwächeanfall von BMW-Chef Harald Krüger durch einen Klinikleiter beantworten.

CBF Coach NewsDieser ist zwar dafür, aber – wie ich finde – in einem sehr reduzierten Sinne.

Er plädiert für eine enge ärztliche Betreuung, für regelmäßige „Präventiv“-Check-Ups, Kuren zum Abnehmen und dergleichen. Das alles sind letztendlich Maßnahmen der kurativen Medizin, die auf der ärztlichen „Ich mache dich gesund“-Einstellung basieren.

Ich bin da in meiner Antwort weitaus radikaler: Ja, ein Manager in oberster Führungsposition braucht einen persönlichen Arzt, aber keinen Arzt, den er in einer Praxis oder Klinik aufsucht, und auch keinen Sportarzt, der stets mitreist, sondern einen ärztlichen Coach!

Einen Arzt, der psychologisches Wissen und Gespür hat, der Kommunikations- und Persönlichkeitsmodelle kennt, der etwas von Führung und Delegation versteht (am besten auch selbst geführt hat), der in der Lage ist, Unternehmenskulturen zu erfassen und Politiken zu durchschauen, der Techniken zum Perspektivenwechsel und zur Reflexionsanregung beherrscht und der eine coachende Haltung einnimmt , anstatt aus der üblichen Mediziner-Position, nämlich von der „anderen Seite“ aus mit Expertenwissen zu argumentieren, zu beraten oder direkt zu verordnen.

Ärzte, die eine profunde Coachingausbildung haben, sind heute noch immer rar, dabei wäre gerade dieses Gebiet mit ihnen gut besetzt, denn sie haben eine hohe Akzeptanz und werden von ihren Klienten / Coachees quasi automatisch autorisiert, auch ganz gezielt am Thema gesundheitlicher Eigenverantwortung mit ihnen zu arbeiten und dabei gelegentlich auch den Hut zu wechseln, um einen ärztlichen Rat zu erteilen.

Verantwortung gegenüber sich selbst ist die Voraussetzung dafür, dass ein Manager in seiner Funktion Verantwortung für Mitarbeiter und für Unternehmensziele übernehmen kann. Und Verantwortung gegenüber sich selbst bedeutet die Beachtung des eigenen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens (Gesundheitsbegriff der WHO).

Ärzte können aus Erfahrung sprechen, wenn es um die fatalen und kostspieligen Schäden geht, die eine Vernachlässigung  dieser Verantwortung nach sich zieht – Folgen, mit denen sie in ihrer kurativen ärztlichen Tätigkeit täglich konfrontiert sind.

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass ausschließlich ärztliche Coaches im Topmanagement primär-präventiv aktiv werden können, aber ein Coach an der Seite eines hochrangigen Managers tut gut daran, eine Weiterbildung  zum Health-Coach zu absolvieren! Er sollte dabei darauf achten, dass diese von Ärzten, die selbst ausgebildete Coaches sind, durchgeführt wird, denn in diesem Grenzgebiet zwischen Gesundheit und Krankheit ist beides gefragt: medizinisch-diagnostisches Wissen und Coaching-Kompetenz.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bmw-chef-harald-krueger-kollabiert-gefaehrliches-manager-leben-13804862.html

© Dr. med Cristina Barth Frazzetta, Master Health Coach

 

3 Responses to "Der Arzt als Coach"

  • Dr. med. Christian Steingässer
    16. März 2016 - 10:12 Reply

    Liebe Fr. Frazzetta,

    ich bin an diesem Thema seit einiger Zeit interessiert, stimme Ihnen zu und habe eine Frage:
    Sind Ihnen qualifizierte, erfahrene Ausbilder zum Health-Coach bekannt?

    Herzliche Grüße aus Mainz

    Christian Steingässer

    • Cristina Barth Frazzetta
      17. März 2016 - 10:30 Reply

      Lieber Herr Steingässer,

      vielen Dank für Ihre Nachricht.

      Zu Ihrer Frage: Da Sie Arzt sind, wie ich selbst auch, genügt es, eine qualifizierte Coach-Ausbildung, wie ich Sie anbiete, zu machen. Ich bin zertifizierter Lehr-Coach der ECA und Sie bekommen von diesem Verband dann in Verbindung mit der Approbation das Siegel Health-Coach. Wichtiger als das Siegel ist aber, dass Sie dadurch Methoden im Umgang mit Patienten erwerben, die direkte Auswirkung auf die Compliance haben, und dass Sie darüber hinaus auch Menschen in beruflichen Zusammenhängen präventiv coachen können.

      An meiner Ausbildung nehmen immer wieder Ärzte teil, so auch in diesem Jahr.
      Ich kann Ihnen, sofern Sie interessiert sind, auch gern Kollegen aus vergangenen Durchgängen nennen, die Ihnen Auskunft zur Qualität der Ausbildung geben können.
      Sollten Sie genauere Informationen wünschen, geben Sie mir bitte Bescheid.

      Mit herzlichem Gruß
      C. Barth Frazzetta

  • Dr. med. Dr. med. dent. Judith Fuchs
    8. Januar 2017 - 22:46 Reply

    Sehr geehrte Frau Frazzetta,
    wie mein „Vorredner“ bin auch ich als Ärztin (und Zahnärztin) sehr am Thema Coaching interessiert, sowohl im Bereich Health Coaching als auch systemisches Coaching. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn sie mir einen Link zu Ihrer Ausbildung zum Coach schicken bzw. Kollegen aus vergangenen Jahrgängen nennen könnten. Vielen herzlichen Dank und Grüße aus Regensburg

    Judith Fuchs

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